Titellos.

Zweitausendneun

Allgemein — geschrieben von Riojadreaming @ 15:34
ZWEITAUSENDNEUN - Ein Nachruf

Ich habe die Jahreszahl ausgeschrieben, denn ich denke es war ein Jahr in dem viele Sachen ausgeschrieben wurden, nur keine neuen Arbeitsplätze.
Die Dinge wurden uns ehrlich präsentiert, zumindest wollte uns die Medienmühle das weismachen.
Die Weltwirtschaft legte ihre Karten offen, und sie hatte ein schlechtes Blatt.
Obama ist unglaublich toll, Hugo Chavez duscht nur 3 Minuten und Ahmadinedschad ist der neue böse Giftzwerg, weil Fidel ja irgendwie zu schwach und gemütlich geworden ist.
Vielleicht sollte ich anfangen T-Shirts mit Mahmoud´s Visage darauf zu drucken, oder besser noch mit dem pathetisch erhobenen Zeigefinder, der ja irgendwie seine Ausstrahlung unterstreicht - und der Mann hat Ausstrahlung, schließlich schafft er es durch die bloße Kraft der Worte, die Vertreter der “westlichen Nationen” aus dem Konferenzraum zu treiben.
Ich denke in 15 Jahren, wenn die CIA so 3-4mal versucht hat ihn umzubringen, werden die T-Shirts sich gut verkaufen, vielleicht so zu 15 Euro das Stück.
Aber ich will nicht lange politisch daherschwadronieren, dass überlasse ich lieber irgendwelchen liberal-sozialistischen Streik-Studenten, die mit marxistischem Fachvokabular um sich werfen, am Ende aber doch die Grünen, oder, noch viel schlimmer, die Piraten wählen.
Was hat 2009 so gebracht?
Gehen wir die Sache musikalisch an:
Der - von mir sehr geschätzte - Joe Bonamassa scheint zum Popstar geworden zu sein, jedenfalls hab ich für das Konzert in Mannheim keine Karten mehr bekommen.
Die - von mir sehr geschätzten - Pothead scheinen keine Popstars mehr zu werden, ich war auf einem wunderbaren Konzert von ihnen in Karlsruhe, und die Anzahl der Fans unterschied  sich nicht von der in den Vorjahren.
Meine persönlichen musikalischen Entdeckungen des Jahres heißen Grayson Capps und Bigelf; ersteren habe ich durch den Film “Lovesong for Bobby Long” entdeckt, er macht wunderschön antiquierten Folk-Blues, Musik, die in kleine Clubs gehört und immer in kleinen Clubs bleiben wird, Musik für Whisky und Musik für den Traum von verfallenem Charme.
Bigelf habe ich bei “Progressive Nation” gesehen und war sofort verzaubert von diesem ekstatischen…ähhh…nennen wir es mal ganz einfach ROCK, der einem da so grandios Zeppelin-Sabbath-Purple-Floydesk von der Bühne entgegen hallte.
Wenn Musik sich großes Kino nennen will, dann muss sie so klingen.
Mein musikalisches Jahr war also gewissermaßen sehr retro-gefärbt.
Schade nur, dass die richtigen Clubs für solche Musik langsam absterben.
Das Substage wird dichtmachen, respektive umziehen, und somit nicht mehr das Substage sein.
In Hamburg hat ein Laden dicht gemacht, in dem 2008 noch “progressive speed Polka” oder so lief, zumindest hatte der Kevin aus Bielefeld das erzählt.
Aber das ist eine andere Geschichte.
Fernsehtechnisch bin ich von der bekackten Senderpolitik seitens RTL gezwungen worden, meinen Serienhorizont um “Two and a half men” und “Stromberg” zu erweitern.
TV-Highlight des Jahres war jedoch Michael Wendler beim “perfekten Promi-Dinner”.
Wenn jemals die Beschreibung “so scheiße, dass es schon wieder geil ist” auf jemanden zugetroffen hat, dann auf ihn.
Ich sach nur “Italien ist halt auch einfach ne geile Stadt” oder “Gott ist ein Michael Wendler Fan”.
So, jetzt wird dieser Text aber auch langsam zu ausschweifend, so toll war das Jahr ja jetzt auchnich, dat man da n Roman drüber schreiben müsste.
Also bloß noch in aller Kürze:
Ich hab ABI gemacht und arbeite jetzt. Beziehungsweise leiste Zivildienst.
Bin also jetzt “fol erwagsen”.
Oder so. Ist ja auch gescheißt. Nun denn, man schaut sich.
2010.

Powered by kulando